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Nachruf Peter Behrens | 1998 bis 2023 Professor am Institut für Anorganischen Chemie

Nachruf Peter Behrens | 1998 bis 2023 Professor am Institut für Anorganischen Chemie

Die Naturwissenschaftliche Fakultät trauert um Herrn Professor Dr. Peter Behrens.

35 Jahre Materialchemie

Peter Behrens, international renommierter Materialchemiker, ist am 13. Januar 2023 in seinem Haus in der Wedemark verstorben. Er war ein hoch anerkannter und geschätzter Wissenschaftler, eine herausragende Persönlichkeit und ein hervorragender Hochschullehrer. Er ist vor allem durch seine Forschungsarbeiten zur Material- und Festkörperchemie über das eigene Fachgebiet hinaus bekannt geworden. Dem weiten Feld der mikro- und mesoporösen anorganischen Materialien setzte er einen ganz eigenen wissenschaftlichen Stempel auf, indem er vor allem die Türen in Richtung biomedizinischen Anwendungen öffnete. Dabei dienten poröse Materialien, biomimetische Materialien und die Funktionalisierung fester Oberflächen unter anderem für Anwendungen in der Implantatforschung, der gezielten Wirkstofffreisetzung und der regenerativen Medizin. Während seiner wissenschaftlichen Laufbahn veröffentlichte Peter Behrens mehr als 300 Forschungsartikel in international renommierten Journalen.  

Peter Behrens wurde am 29. Juni 1957 in Hamburg geboren. Er studierte Chemie an der Universität Hamburg, wo er im Jahre 1985 diplomierte und drei Jahre später, gefördert durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes, zum Dr. rer. nat. auf dem Gebiet der Graphit-Intercalationsverbindungen promovierte. Er wechselte 1988 an die Universität Konstanz und beendete die erste Phase wissenschaftlicher Selbstständigkeit mit der Habilitation im November 1994. In jenes Jahr fiel auch ein 4-monatiger Postdoc Aufenthalt an der University of California, Santa Barbara. Noch 1994 nahm Peter Behrens einen Ruf auf eine C3-Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität München an. In dieser Zeit wurden viele Grundlagen für die folgenden Forschungsarbeiten gelegt. 1998 wechselte er auf eine C4-Professur nach Hannover, wo er schnell das Institut für Anorganische Chemie prägte. Ihm gelang frühzeitig eine Fokussierung auf die Materialchemie – eine Entscheidung, die retrospektiv als überaus erfolgreich bewertet werden muss.

In den 35 Jahren seiner akademischen Laufbahn betreute Peter Behrens insgesamt fast 100 Doktorandinnen und Doktoranden. Es war die interdisziplinäre Kombination der in seinem Labor verwendeten Techniken mit breitgefächerten Kooperationen hinein in die Medizin, Physik und zu den Ingenieurswissenschaften, die seine Arbeitsgruppe für so viele Studierende so attraktiv machte. Es steht außer Frage, dass seine freundliche, empathische, positive und integrierende Ausstrahlung verbunden mit seinem scharfen analytischen Verstand bedeutsam für die Etablierung diverser Kooperationen am Standort waren und sind. Speziell für die Leibniz Universität ist sein Name verknüpft mit der Gründung des Leibniz Institut für Nano- und Quantenengineering (LNQE), dem ehemaligen Zentrum für Festkörperchemie und Neue Materialien (ZFM), den Exzellenz-Clustern HEARING4ALL und PhoenixD und der Konzeptionierung des Systemwechsels für die chemische Fortgeschrittenenausbildung aus dem Diplomzeitalter in die Master-Ära.

Wir verlieren mit Peter Behrens einen Kollegen, der die Lehr- und Forschungsinhalte maßgeblich über die letzten Jahrzehnte gestaltet hat und diesen auch strukturell ein Gesicht gab.
Es ist ein großer menschlicher Verlust und unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.