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Georg Forster-Forschungspreis für Prof. Dr. Esra Capanoglu: ­Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Tuba Esatbeyoglu

Georg Forster-Forschungspreis für Prof. Dr. Esra Capanoglu: ­Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Tuba Esatbeyoglu

Prof. Dr. Tuba Esatbeyoglu und Prof. Dr. Esra Capanoglu Guven in Ortaköy/Istanbul im Mai 2022 zum Kickoff-Meeting ihres DAAD-Projektes

Anerkennung herausragender Leistungen in Forschung und Lehre und eine Einladung ans Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung

Die Alexander von Humboldt-Stiftung verleiht im Fachgebiet Lebensmittelchemie einen Georg Forster-Forschungspreis an Frau Prof. Dr. Esra Capanoglu Guven aus Istanbul. Damit wird das bisherige Gesamtschaffen dieser herausragenden Wissenschaftlerin gewürdigt. Zudem wird über das Preisgeld von 60.000 Euro ein Forschungsaufenthalt in Deutschland ermöglicht.
Die Nominierung für diesen Wissenschaftspreis erfolgt durch ausgewiesene Fachkolleginnen und -kollegen einer Forschungseinrichtung in Deutschland – hier durch Professorin Tuba Esatbeyoglu vom Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung. 

Die Alexander von Humboldt-Stiftung verleiht aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung jährlich bis zu sechs Georg Forster-Forschungspreise an international führende Forschungspersönlichkeiten aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Für den Preis können Personen vorgeschlagen werden, deren grundlegende Entdeckungen, neue Theorien oder Erkenntnisse das eigene Fachgebiet auch über das engere Arbeitsgebiet hinaus nachhaltig geprägt haben und von denen erwartet werden kann, dass sie auch in Zukunft an der Ausarbeitung forschungsbasierter Lösungsansätze für die spezifischen Herausforderungen der Schwellen- und Entwicklungsländer mitwirken.

Gemeinsames Forschungsvorhaben: Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Türkei und Deutschland

Weltweit steigt die Nachfrage nach „gesunden“ Lebensmitteln und Getränken, es lässt sich die Verbreitung von funktionellen Lebensmitteln, die wie Obst und Gemüse reich an sekundären Pflanzenstoffen sind, auf dem Markt beobachten. Neuartige Lebensmittelverarbeitungstechniken – wie z. B. Cold plasma, gepulste elektrische Felder und Hochdruckverarbeitung – wurden als Alternative zur Wärmebehandlung entwickelt, um der Nachfrage der Verbraucher nach gesunden und sicheren Produkten nachzukommen. Unter dem Gesichtspunkt der ernährungsphysiologischen und funktionellen Eigenschaften sind Informationen über die Konzentration bioaktiver Verbindungen, die die bioverfügbare Fraktion erreichen und vom Darmlumen absorbiert werden, viel wichtiger als die Konzentration dieser Verbindungen in den entsprechenden Lebensmitteln. Andererseits hat die Lebensmittelmatrix einen erheblichen Einfluss auf die Bioverfügbarkeit von sekundären Pflanzenstoffen. Das Vorhandensein von Proteinen und Ballaststoffen wirkt sich auf die bioverfügbare Fraktion aus und sollte daher bei der Entwicklung von funktionellen Lebensmitteln berücksichtigt werden.

Im gemeinsamen Forschungsvorhaben werden Professorin Capanoglu und Professorin Esatbeyoglu sich auf die Auswirkungen neuartiger nicht-thermischer Technologien auf den Gehalt, die Biozugänglichkeit und die Bioverfügbarkeit bioaktiver Verbindungen in verschiedenen Lebensmittelmatrices konzentrieren. Sie werden auch die Wechselwirkungen zwischen Phenolen und anderen Lebensmittelkomponenten untersuchen. 

Nachhaltige Stärkung wissenschaftlicher Multiplikatoren

Die Forscherinnen sind bereits seit 2013 miteinander bekannt und arbeiteten gemeinsam an mehreren Veröffentlichungen und einem DAAD-Projekt. Der geförderte Forschungsaufenthalt vertieft nun die Zusammenarbeit weiter. Frau Capanoglu und Frau Esatbeyoglu beschäftigen sich in der Lebensmittelchemie insbesondere mit sekundären Pflanzenstoffen, ihren biologischen Aktivitäten einschließlich antioxidativer Eigenschaften sowie ihrer Bioverfügbarkeit. Zudem besteht ein Interesse an Nebenströmen der Lebensmittelindustrie.

Prof. Capanoglu  hat Erfahrung mit den Auswirkungen der Verarbeitung und der Lebensmittelmatrix auf den Gehalt und die Bioverfügbarkeit von Phenolen und anderen Bioaktivstoffen. Sie möchte ihre Kenntnisse zu zellbasierten Methoden und neuen Technologien wie Cold plasma, die sie während ihres Aufenthalts in Deutschland erwerben wird, weiter vertiefen.

Frau Esatbeyoglu möchte auf der anderen Seite ihre Kenntnisse über die Auswirkungen der Lebensmittelmatrix (z. B. Wechselwirkungen zwischen Proteinen und Phenolen oder Ballaststoffen und Phenolen usw.) und die Entwicklung funktioneller Lebensmittel stärken. Dieses Stipendium wird die Erfahrungen beider Seiten in einer innovativen und interdisziplinären Arbeit zusammenführen. Beide Wissenschaftlerinnen werden von den komplementären Fachkenntnissen und Ressourcen der anderen profitieren. Dieses Programm wird synergetische Aktivitäten zwischen Forschungsexpertise in Deutschland und der Türkei unterstützen und die wissenschaftliche Interaktion zwischen den beiden Ländern stärken.

Diese Forschung zu alternativen Verarbeitungstechnologien wird in der Industrie zur Herstellung hochwertigerer Lebensmittel, zur Verringerung anfallender Abfälle, zu besser verwertbaren Nebenprodukten und zur Senkung von Kosten und Arbeitsaufwand führen. Andererseits ermöglichen die geplanten Studien zur Bioverfügbarkeit ein tieferes Verständnis von Lebensmitteln, was wiederum zur Qualität der erzeugten Lebensmittel beiträgt.