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Raus aus der Komfortzone: Nachhaltig studieren in der Schweiz

Raus aus der Komfortzone: Nachhaltig studieren in der Schweiz

„Der Berg ruft“: Die Schweiz bietet neben beeindruckende Landschaften vielfältige Studienmöglichkeiten. (Foto: Lea Neumann)

Lea absolvierte im Rahmen ihres Studiums Wirtschaftsgeographie einen verpflichtenden Auslandsaufenthalt in Bern (Schweiz), bei dem sie ein internationales Studienumfeld erlebte und neue Perspektiven auf Nachhaltigkeit und Mobilität gewann.


Vorbereitungen
Der Auslandsaufenthalt war ein fester Bestandteil meines Studienprogrammes. Auch wenn die Entscheidung für einen Auslandsaufenthalt zu Beginn nicht vollständig freiwillig war, habe ich die „Unfreiwilligkeit“ im Nachhinein als große Chance wahrgenommen. Sie hat mir den notwendigen Anstoß gegeben, meine Komfortzone zu verlassen und mich auf neue Erfahrungen einzulassen. Ich erhoffte mir, mich selbst besser kennenzulernen, eigenständiger zu werden und persönliche sowie fachliche Kompetenzen weiterzuentwickeln. Besonders wichtig war es mir dabei, für eine gewisse Zeit ausschließlich für mich selbst verantwortlich zu sein und meinen Alltag vollkommen neu zu organisieren.

Die Wahl des Gastlandes fiel auf die Schweiz. Ausschlaggebend dafür war zum einen, dass ich dort Verwandtschaft habe und somit bereits einen gewissen Bezug zu dem Land bestand. Zum anderen spielte die gute Erreichbarkeit eine große Rolle, da mir eine Anreise mit dem Zug sehr wichtig war. Darüber hinaus hat mich die Schweiz schon lange aufgrund ihrer beeindruckenden Landschaften, der Nähe zur Natur sowie des scheinbar sehr gut funktionierenden gesellschaftlichen, infrastrukturellen Systems interessiert. Ich wollte mir selbst ein Bild davon machen, ob dieser Eindruck auf dem tatsächlichen Alltag entspricht.

In fachlicher Hinsicht war ursprünglich geplant, im Bereich Geographie zu studieren. Die Kurswahl gestaltete sich jedoch schwieriger als erwartet. Trotz frühzeitiger Planung und intensiver Kommunikation mit den Verantwortlichen vor Ort konnte ich viele der gewünschten Kurse nicht belegen, da die Kapazitäten begrenzt waren. Rückblickend ist es daher sehr wichtig, sich frühzeitig mit der Kurswahl auseinanderzusetzen und immer alternative Kurse im Hinterkopf zu behalten. Schlussendlich belegte ich lediglich einen Kurs am geographischen Institut, studierte dafür jedoch mehrere Veranstaltungen aus dem englischsprachigen Masterstudiengang „Sustainable Transformations“ am Centre for Development and Environment (CDE). Auch wenn dies ursprünglich nicht geplant war, empfand ich diese Kurse als sehr bereichernd und inhaltlich äußerst interessant. Gute Kommunikation dort mit den Lehrenden.

Ein weiterer Punkt bei der Vorbereitung ist die Finanzierung des Aufenthaltes. In der Schweiz erhält man keine Erasmus-Förderung, sondern eine sogenannte SEMP-Förderung, die insgesamt 2.200 CHF beträgt und meist erst zur Mitte des Aufenthaltes ausgezahlt wird. Aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten sollte man daher entweder über ausreichende finanzielle Unterstützung oder entsprechende Ersparnisse verfügen. Besonders die Mieten, Lebensmittel und Freizeitaktivitäten (Mobilität) sind im Vergleich zu Deutschland deutlich teurer.
Als deutsche Staatsbürgerin benötige ich kein Visum, lediglich einen gültigen Reisepass oder Personalausweis. Zudem besteht für EU-Bürger*innen die Möglichkeit, sich für ein Semester von der Schweizer Krankenversicherungspflicht befreien zu lassen. Dennoch ist der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung sehr zu empfehlen. Auch das Bezahlen vor Ort stellte kein Problem dar, da in der Schweiz nahezu alles bargeldlos funktioniert. Neben Kredit- und Debitkarte wird häufig mit der App „Twint“ gezahlt. Persönlich habe ich gute Erfahrungen mit einem N26-Konto gemacht, da es sich problemlos für Kartenzahlungen und Bargeldabhebungen eignet.

Bei der Unterkunftssuche sollte man sich möglichst früh kümmern. Die Universität Bern stellt hierfür Material zur Verfügung. Ich entschied mich für eine Unterkunft in einer sogenannten Studentlodge, die speziell Wohnraum für Studierende anbietet. Die Organisation war professionell und zuverlässig, allerdings lagen die Unterkünfte etwas außerhalb und waren vergleichsweise teuer (und nicht besonders angenehm). Rückblickend würde ich eher versuchen, ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft in der Innenstadt zu finden. Nach der Ankunft in Bern verlief alles sehr reibungslos. Die Anreise mit dem Zug dauerte etwa 7 Stunden. Vom Bahnhof aus gelangte ich problemlos mit der Straßenbahn zu meiner Unterkunft, wo ich mein Zimmer beziehen und eine kurze Einführung erhalten konnte. In den darauffolgenden Tagen stand die Anmeldung bei der Stadt Bern an. Diese erfolgte zunächst online, anschließend erhält man einen Termin vor Ort. Dort wird unter anderem ein Foto gemacht, und bereits eine Woche später erhält man den Aufenthaltstitel. Der gesamte Prozess ist gut organisiert und unkompliziert.

Studieren und Leben
Die Einführungswoche der Universität war ebenfalls sehr gelungen. Bereits Wochen im Voraus erhielt man einen detaillierten Plan, sodass man wusste, was einen erwartet. Neben organisatorischen Informationen gab es zahlreiche Angebote, um die Stadt, die Kultur und andere Studierende kennenzulernen. Das Programm war gut ausbalanciert und ließ ausreichend Zeit für eigene Erkundungen.
Die Lehrveranstaltungen selbst empfand ich als sehr angenehm und abwechslungsreich. Der Fokus lag stark auf aktiver Mitarbeit, Diskussionen und Gruppenarbeiten. Klassischer Frontalunterricht spielte kaum eine Rolle. Prüfungsleistungen bestanden meist aus Essays, Präsentationen, Gruppenarbeiten, Hausarbeiten oder Mid-Term-Klausuren, wobei sich die Endnote häufig aus mehreren Teilnoten zusammensetzte. Die Lernatmosphäre war offen, respektvoll und weitgehend frei von Leistungsdruck. Auch wenn es kaum Anwesenheitspflicht gab, waren die Seminare in der Regel gut besucht. 
Die Universität Bern und der Campus sind sehr schön gelegen und die Nähe zur Natur ist beeindruckend. An freien Tagen war ich besonders häufig wandern oder in der Umgebung von Bern unterwegs. Besonders hervorzuheben sind das umfangreiche und größtenteils kostenlose Uni-Sport-Angebot sowie die Aktivitäten des ESN-Netzwerkes, über das man kostengünstige Ausflüge unternehmen kann. Im Sommer lädt der Fluss Aare zum Baden ein und auch die kostenlosen Freibäder bieten eine willkommene Abkühlung.
Trotz der hohen Kosten überzeugt die Schweiz durch ihre Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, insbesondere im öffentlichen Nahverkehr. Mit einem Halbtax- oder GA-Abo lassen sich Reisekosten reduzieren. Für den Alltag eignen sich Supermärkte wie Lidl, Aldi oder Denner, während Coop und Migros teuer, aber qualitativ hochwertig sind. Essen gehen ist generell kostspielig, dennoch gibt es einzelne preiswerte Optionen (Pizzeria DaNino). Kulinarisch lohnt es sich außerdem, Schweizer Klassiker wie Fondue oder die große Auswahl an Schokolade zu probieren.

Fazit
Abschließend kann ich sagen, dass ich mich jederzeit wieder für ein Auslandssemester in der Schweiz entscheiden würde. Man muss sich der hohen Kosten bewusst sein, aber der Aufenthalt war eine sehr bereichernde Erfahrung, sowohl persönlich als auch fachlich. Besonders für Menschen, die die Natur, Wandern oder Outdoor-Aktivitäten lieben, ist die Schweiz ein idealer Ort für ein Auslandssemester.