Portraits von Nachwuchsforschenden der Naturwissenschaftlichen Fakultät
„Und, woran forschen Sie so?“
Die Doktorandin Finia Uecker arbeitet im Rahmen eines DFG-geförderten Projekts zu Chloroplasten am Institut für Botanik. Sie hat einen bedeutenden Beitrag zur Pflanzenforschung geleistet, der in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde: Sie entwickelte einen innovativen „Optoswitch“, mit dem die Bildung von Chloroplasten gezielt gesteuert und beobachtet werden kann. Diese Technik ermöglicht erstmals eine präzise zeitliche und räumliche Untersuchung der Chloroplastenbildung, was neue Perspektiven für Forschungen zur Klimaresilienz und Ertragssteigerung von Pflanzen eröffnet. Wir möchten mehr über ihre Forschung erfahren.
Vier Fragen an die Pflanzenphysiologin und Doktorandin Finia Uecker vom Institut für Botanik
Webredaktion Naturwiss. Fakultät: Wir wüssten gern, woran Sie forschen. Könnten Sie das für uns kurz schildern?
Finia Uecker: Ich untersuche, wie Pflanzen Chloroplasten aufbauen – die Zellorganellen, in denen die Photosynthese stattfindet. Dafür arbeite ich mit einer Pflanzenlinie, bei der ein Defekt in der chloroplastären RNA-Polymerase dazu führt, dass sie weiß bleibt und keine funktionsfähigen Chloroplasten entwickeln kann. Mit einem lichtgesteuerten genetischen Schalter können wir diesen Defekt gezielt ausgleichen. So wird sichtbar, in welchen Entwicklungsphasen und Geweben Chloroplasten entstehen können.
Mein Arbeitsalltag ist dabei eine Mischung aus praktischer Laborarbeit und Auswertung von Daten. Ein Teil der Zeit verbringe ich mit Experimenten im Labor, zum Beispiel mit Pflanzen oder molekularbiologischen Methoden. Ebenso gehören viel Analyse, Literaturrecherche und die Planung neuer Experimente dazu. Gerade dieser Wechsel macht den Forschungsalltag sehr abwechslungsreich.
Welche Methoden nutzen Sie vermehrt?
In den vergangenen Monaten habe ich vorrangig mit einem optogenetischen Lichtschalter gearbeitet, den wir in Pflanzen eingeführt haben. Damit lässt sich die Funktion der chloroplastären RNA-Polymerase abhängig von der Lichtfarbe ein- oder ausschalten und beobachten, wie sich dies auf die Entwicklung von Chloroplasten auswirkt. Solche Systeme sind besonders hilfreich, um Ursache und Wirkung in dynamischen Entwicklungsprozessen voneinander zu trennen.
Eine wichtige Erkenntnis war, dass die Bildung von Chloroplasten eng mit anderen Entwicklungsprozessen der Pflanze, etwa der Blattentwicklung, verknüpft ist. Wird der genetische Lichtschalter früh genug aktiviert, können sich Chloroplasten entwickeln. Nach einem bestimmten Entwicklungsstadium bleibt dieser Effekt jedoch aus.
Was treibt Sie an, was möchten Sie erforschen?
Mich fasziniert, dass viele Prozesse in Pflanzenzellen noch immer nicht vollständig verstanden sind. Forschung fühlt sich oft an wie das Zusammensetzen eines Puzzles, bei dem nach und nach neue Teile dazukommen. Besonders spannend ist der Moment, wenn Experimente plötzlich ein neues Puzzleteil liefern und ein Zusammenhang klarer wird.
Mein Einstieg in die Forschung begann während meines Studiums der Pflanzenbiotechnologie an der Leibniz Universität Hannover. Dort hatte ich erstmals die Möglichkeit, eigene Experimente zu planen und durchzuführen – und dabei gemerkt, wie spannend es ist, mit Experimenten neue Erkenntnisse über grundlegende Prozesse in Pflanzen zu gewinnen.
Mich freut es besonders, wenn aus einer Idee ein Experiment wird, das tatsächlich neue Erkenntnisse liefert. Zu sehen, dass die eigene Arbeit zu einem besseren Verständnis grundlegender Prozesse in Pflanzen beitragen kann, ist sehr motivierend.
Was brauchen Sie heute im Beruf, was Sie im Studium nicht gelernt haben?
Die Grundlagen für Laborarbeit und wissenschaftliches Arbeiten habe ich während des Studiums gelernt. Im Forschungsalltag kommen aber natürlich auch Organisation und langfristige Projektplanung hinzu. Außerdem funktioniert Forschung selten allein – der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen im Labor ist besonders wichtig, um Ideen zu diskutieren und Experimente gemeinsam weiterzuentwickeln.
Finia Uecker promoviert derzeit am Institut für Botanik unter der Betreuung von Prof. Dr. Thomas Pfannschmidt. Zuvor absolvierte sie den Bachelor und den Master in Pflanzenbiotechnologie an der Leibniz Universität Hannover.
- Presseinformation Leibniz Universität Hannover: Ein synthetischer Lichtschalter für die Photosynthese
- Originalveröffentlichung: Finia Uecker, Frederik M. Ahrens, Tim Ruder, Thomas Pfannschmidt: A red/blue optoswitch for temporal control of chloroplast transcription and biogenesis in Arabidopsis, Nature Communications 2026, 17:1984
- Institut für Botanik: Arbeitsgruppe Pflanzenphysiologie
- Pflanzenbiotechnologie studieren in Hannover
Die Portrait-Reihe „Und, woran forschen Sie so?“ stellt die Nachwuchsforschenden unserer Fakultät vor. Anhand ausgewählter Fragen entstehen persönliche Einblicke in die Vielfalt aktueller Forschungsarbeit. So lässt sich Forschung entdecken – und der Mensch, der mit viel Leidenschaft dahintersteht.