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Celin Mundt: „Ob eine Idee funktioniert oder nicht – in jedem Fall gewinne ich eine Erkenntnis, die mich weiterbringt.“

Celin Mundt: „Ob eine Idee funktioniert oder nicht – in jedem Fall gewinne ich eine Erkenntnis, die mich weiterbringt.“

© Fabian Niebauer
Doktorandin Celin Mundt im Chemie-Labor am Institute of Food and One Health.

Portraits von Nachwuchsforschenden der Naturwissenschaftlichen Fakultät
„Und, woran forschen Sie so?“

Über die Vergabe des L3S Best Publication Award Ende 2025 für das Paper „AI-Driven Personalized Nutrition: Integrating Omics, Ethics, and Digital Health“, wurden wir aufmerksam auf die Erstautorin Celin Mundt. Seit Februar promoviert die Ernährungswissenschaftlerin zur chemischen Analytik von Bärlauch und seinen bioaktiven Inhaltsstoffen. Besonders spannend sind für sie die Schwefelverbindungen, die für das charakteristische Aroma des Bärlauchs verantwortlich sind und die möglicherweise antiinflammatorische und genoprotektive Eigenschaften aufweisen. Wir wollten mehr wissen:

Drei Fragen an eine Ernährungswissenschaftlerin: Celin Mundt vom Institute of Food and One Health

Webredaktion Naturwiss. Fakultät: Was würden Sie gerne entdecken oder herausfinden?
Celin Mundt: Ich möchte herausfinden, ob Bärlauch auch mit deutlich bekannteren Lauchgewächsen wie dem Knoblauch oder der Zwiebel mithalten kann, deren entzündungshemmende Wirkung bereits ausführlich in der Literatur beschrieben ist. Gleichzeitig möchte ich den wissenschaftlichen und gesundheitlichen Wert dieser heimischen Pflanze sichtbar machen.

Was hat Sie bewogen, in die Forschung einzusteigen?
Mich treibt der kontinuierlich spürbare Fortschritt an. In der Forschung sammelt man jeden Tag neue Erkenntnisse. Es kann sich hierbei um theoretischen Input handeln oder um praktische Versuchsergebnisse. Ob eine Idee funktioniert oder nicht – in jedem Fall gewinne ich eine Erkenntnis, die mich weiterbringt.
Ich hatte mich nach meinem Studium zunächst gegen die Forschung entschieden und einen Job in der Lebensmittelindustrie angenommen. Nach einigen Monaten wurde mir jedoch deutlich, dass der Arbeitsalltag sehr stark von festen, gleichbleibenden Routinen geprägt war. Dadurch entstand bei mir zunehmend das Gefühl einer fachlichen Stagnation, da weniger das Entwickeln neuer Fragestellungen im Vordergrund stand, sondern vielmehr das kontinuierliche Erreichen eines gleichbleibenden Produktionsziels, sprich der Herstellung eines Lebensmittels mit definierter Qualität. Mir wurde dabei deutlich, dass mir der Raum für inhaltliche Weiterentwicklung, wissenschaftliche Neugier und das Arbeiten an offenen Fragestellungen fehlt. Da ich während des Studiums ein Forschungspraktikum absolviert hatte, wusste ich jedoch, dass ich all das in der Forschung finden konnte. Heute bin ich dankbar für diesen „Umweg“, denn er hat mir gezeigt, welcher Beruf der Richtige für mich ist.

In welchem Gebiet erwarten Sie in den nächsten zwölf Monaten die größten Entwicklungen und warum?
Ich erwarte, dass mein Umgang mit analytischen Verfahren, Versuchsdesigns und der Datenanalyse im Verlauf der nächsten Monate weiter an Tiefe gewinnt. Im Studium lag der Schwerpunkt häufig darauf, Inhalte effizient zu erlernen und Experimente nach Protokoll durchzuführen, mit dem Ziel, möglichst „lehrbuchartige“ Ergebnisse zu erzielen. Mit meiner eigenen Forschungsarbeit verschiebt sich dieser Fokus. Statt standardisierte Abläufe lediglich anzuwenden, geht es darum, Methoden kritisch zu hinterfragen, gezielt anzupassen oder teilweise auch neu zu entwickeln. Dabei bietet die bestehende Literatur zwar eine wichtige Orientierung, allerdings erfordert die praktische Umsetzung eigenständige Entscheidungen im Umgang mit unerwarteten Ergebnissen oder Herausforderungen. In diesem Prozess erwarte ich zudem, dass ich lerne, Unsicherheiten auszuhalten und mit Frustration umzugehen, wenn Experimente nicht wie geplant verlaufen oder Ergebnisse zunächst nicht eindeutig interpretierbar sind.



Celin Mundt entdeckte ihre Begeisterung für die Forschung im Bachelorstudium in Ernährungswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Danach entschied sie sich für den Masterstudiengang Food Research and Development an der Leibniz Universität Hannover (LUH), wo sie ihre Masterarbeit zum Thema „Künstliche Intelligenz (KI) in der personalisierten Ernährung“ schrieb. Auf dieses Thema kam sie durch ihre Tätigkeit als studentische Hilfskraft am L3S Research Center, wo sie auf das Potenzial von KI aufmerksam wurde. Nach dem Abschluss ihres Studiums arbeitete sie zunächst im Qualitätsmanagement eines Lebensmittelunternehmens, bevor sie Anfang 2026 an die LUH zurückkehrte.
Ihr Promotionsvorhaben ist ein DFG-gefördertes Projekt in Zusammenarbeit mit der Poznań University of Life Sciences in Polen und der University of Queensland in Australien.
Abseits der Forschung zieht es sie in die Natur. In der Nähe vom Harz aufgewachsen, kehrt sie in ihrer Freizeit gerne dorthin zurück, um zu wandern oder zu laufen. Der Sport ist ein essenzieller Teil ihres Lebens – „Sport bewegt nicht nur meinen Körper, sondern auch meine Gedanken“.

Die Portrait-Reihe Und, woran forschen Sie so? stellt die Nachwuchsforschenden unserer Fakultät vor. Anhand ausgewählter Fragen entstehen persönliche Einblicke in die Vielfalt aktueller Forschungsarbeit. So lässt sich Forschung entdecken – und der Mensch, der mit viel Leidenschaft dahintersteht.