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Biotechnologin und Firmengründerin Merit Ulmer-Kasak: „Es lohnt sich, eigene Ideen zu verfolgen."

Biotechnologin und Firmengründerin Merit Ulmer-Kasak: „Es lohnt sich, eigene Ideen zu verfolgen."

Ananaspflanzenreste standen am Anfang: Merit Ulmer-Kasak, die in Hannover Life Science studierte, ist heute CEO und Co-Geschäftsführerin, zuständig für Investor Relations, Vertrieb und Finanzen eines jungen Unternehmens – mit der Mission „Turning Waste into Purpose“.

Ehemalige der Naturwissenschaftlichen Fakultät erzählen
„Wie ging es weiter?“

Aus einem studentischen Projekt entwickelt sich ein wachsendes Unternehmen mit internationalem Wirkungspotenzial: Wir berichteten 2020 über Studierende, die aus Ananasblättern Papier entwickelten und dazu eigens eine Firmengründung wagten. Die in Hannover ansässige eco:fibr GmbH stellt heute Fasern aus pflanzlichen Reststoffen her. Diese Geschichte beginnt mit der Idee, aus Abfällen umweltfreundliche Produkte zu produzieren. Merit Ulmer-Kasak, Mitbegründerin von eco:fibr und Absolventin der Bachelor- und Masterstudiengänge Life Science, verrät uns, welche Rolle die Fakultät dabei spielte und wie es weitergeht.

Drei Fragen an Merit Ulmer-Kasak, Co-Geschäftsführerin von eco:fibr und Alumna unserer Fakultät

Webredaktion Naturwiss. Fakultät: In welchem Maße hat Ihre Zeit an der Fakultät Ihre Herangehensweise an das Forschen oder Lernen geprägt? 

Bereits im dritten Bachelorsemester hatte ich angefangen, neben dem Studium im Rahmen der Studierendenorganisation Enactus an Verwendungsmöglichkeiten von nicht exportfähigen Bananen und später dann Ananaspflanzen zu forschen. Ermöglicht wurde dies durch die Unterstützung des Instituts für Technische Chemie und der Naturwissenschaftlichen Fakultät. Diese Förderung – getragen von der Überzeugung motivierte Studierende zu unterstützen – erfüllt mich bis heute mit tiefer Dankbarkeit und Hoffnung an das Gute im Menschen. Uns wurde ermöglicht, diverse Abschlussarbeiten über unsere Themen zu verfassen, und ich wurde darin unterstützt, eigenverantwortlich zu denken und zu forschen. Diese Denkweise durfte ich auch an viele Studierende weitergeben, deren Abschlussarbeiten ich mitbetreuen durfte. Dabei stand immer das selbstständige Entwickeln von Ideen und Herangehensweisen im Vordergrund. Nur durch diese ursprüngliche Unterstützung war es mir und uns als Team möglich, unser heutiges Startup eco:fibr zu gründen.

Wie haben die Netzwerke und Kontakte, die Sie während Ihrer Zeit an unserer Universität geknüpft haben, Ihre Karriere beeinflusst?

Neben der Arbeit an eco:fibr war ich während meines Studiums auch Teil der Fachschaft und mehrerer hochschulpolitischer Gremien, darunter auch Berufungskommissionen. In diesem Zuge konnte ich viele Personen im Universitätskontext kennenlernen und einen Einblick hinter die Kulissen erhalten. Der enge Austausch sowie die Teilnahme an Besprechungen im Rahmen der Exzellenz-Initiative vor einigen Jahren haben mir zum einen das Netzwerken eröffnet, zum anderen auch die Angst vor Gesprächen mit erfahrenen Personen, zum Teil auch des öffentlichen Lebens, genommen. So gehe ich auch heute noch offen und unerschrocken in Gespräche mit Vorstandsmitgliedern von großen Konzernen oder mit Politikerinnen und Politikern. 

Haben Sie einen Rat für aktuelle Studierende oder Forschende, basierend auf Ihren eigenen Erfahrungen? 

Ich kann allen nur ans Herz legen, sich neben dem Studium oder der Forschung zu engagieren und damit über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen! Die dabei erworbenen Soft Skills und Erfahrungen bereichern das Leben ungemein und führen zu einem Netzwerk, welches entweder bei eigenen Ideen (bei denen ich immer raten würde, sie zu verfolgen) oder allgemein im Berufsleben den Unterschied machen kann. Außerdem kann ich sehr empfehlen, Hilfe anzunehmen und offen über Herausforderungen zu sprechen, um nicht unnötig Zeit und Kraft daran zu verschwenden. Ohne die Unterstützung der Universität und Förderungen finanzieller und ideeller Art sowie der Expertise von Institutsmitarbeitenden wären ich und eco:fibr heute nicht da, wo wir sind. 


Das Startup eco:fibr macht pflanzliche Reststoffe für die Industrie nutzbar, die von der Papier-, Bau- oder Werkstoffindustrie verwendet werden können und als Alternative und in Ergänzung zu Holzzellstoff dienen. Das 2022 von drei Personen gegründete Start-up durchläuft aktuell wichtige Schritte: Nach zwei erfolgreichen Finanzierungsrunden sind aktuell 5,5 Tonnen Pflanzenmaterial auf dem Weg nach Deutschland, um mit unserem Partner fiberrec in München zerfasert zu werden und ihren Weg in die Industrie zu finden. Ziel für 2026 ist es, langfristige Abnahmeverträge als Basis für die Finanzierung der ersten eigenen Produktion mit einer Kapazität von ca. 7000 Jahrestonnen Ananasfasern abzuschließen.

Die Portrait-Reihe „Wie ging es weiter?“ stellt ehemalige Studierende, Promovierende und Persönlichkeiten vor, die unsere Fakultät mitgestaltet haben. Anhand ausgewählter Fragen zeigen wir die Geschichten dieser Personen auf und berichten über ihre Wege nach dem Studium, ihre Erfahrungen und Verbindungen zur Fakultät. So entsteht ein lebendiges Bild beruflicher und persönlicher Entwicklungen – und von den Menschen, die an unserer Fakultät wirken.