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Studierende entwickeln aus Ananasblättern Papier am Institut für Technische Chemie

Studierende entwickeln aus Ananasblättern Papier am Institut für Technische Chemie

In den Laboren des Instituts für Technische Chemie haben Studierende der Leibniz Universität ein Verfahren entwickelt, um aus Ananasblättern Papier herzustellen.

Das 14-köpfige Team besteht aus Bachelor- und Masterstudierenden verschiedener Studiengänge: Neben Life Science, Pflanzenbiotechnologie und Biochemie sind auch Studierende aus den Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften beteiligt.
Mit ihrem Projekt sind sie Teil von Enactus. Die internationale Non-Profit- Organisation leistet einen Beitrag, die 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung der UN umzusetzen. Sie unterstützt Studierende dabei, eigene, nachhaltige Unternehmen zu gründen.

Die Studierenden stellen grad eigens das Unternehmen eco:fibr auf die Beine und nehmen gleich mehrere Probleme in Angriff: Jährlich werden viele Tonnen Holz für die Papierproduktion benötigt. Gleichzeitig fallen auf den Ananasplantagen in Südamerika die Blätter der Pflanzen als schwer kompostierbarer Abfallstoff an. eco:fibr extrahiert umweltschonend Zellulose aus Ananasblättern, sodass daraus Papier hergestellt werden kann. Das löst das Abfall-Problem auf den Ananasplantagen und schafft zusätzlich neue Arbeitsplätze. Auf lange Sicht trägt das junge Unternehmen so auch dazu bei, dass weniger Bäume für die Papierproduktion gefällt werden müssen.

Es begann mit Entsorgungsproblemen von Bananen

Merit Ulmer, die das Projekt zusammen mit Niklas Tegtmeier leitet, studiert im 4. Semester des Masters Pflanzenbiotechnologie. 2017 fand sie sich mit anderen Studierenden im Rahmen von Enactus Hannover zusammen und startete das Pilotprojekt „Musa Fibra”. Damals berichtete eine Dozentin, wie Bananen, die nicht den Exportstandards entsprechen, entsorgt werden.
„Wir haben uns dann Gedanken darüber gemacht und wollten uns dieses Problems annehmen. Daraufhin haben wir in den Laboren des Institutes für Technische Chemie einen Prozess entwickelt, mit dem man die Zellulose aus den Schalen extrahieren kann”, berichtet Frau Ulmer. 

Schließlich reiste das Team im Juni 2018 zum ersten Mal nach Costa Rica. In San Jose besuchten sie das CENIBiot, zu dem sie über die Leibniz Universität Kontakt erhalten hatten. Dort erfuhren sie, dass die Entsorgung von Ananasblättern ein weitaus größeres Problem ist als die Verwertung von Bananenschalen. Die anfallenden Ananasblätter sind schwer kompostierbar und säuern den Boden an. Deshalb werden sie oftmals verbrannt und mit Chemikalien bearbeitet.
Merit Ulmer erklärt: „Zurück in Deutschland haben wir das Problem der Ananasblätter erörtert und daraufhin den Prozess auf die Extraktion der Zellulose aus diesem Rohmaterial optimiert. Da der Zellulosegehalt höher, aber der Protein- und Ligningehalt geringer sind als in den Bananenschalen, funktionierte das sogar deutlich besser.”
Im Oktober letzten Jahres machte sich das Team erneut auf den Weg nach Costa Rica und besuchte verschiedene Ananasplantagen. Gleichzeitig bauten sie ein Netzwerk aus verschiedenen politischen, wirtschaftlichen und universitären Partnern auf.

Auch 2020 entwickelt sich das Projekt laufend weiter: „Seit Mai dieses Jahres sind wir Teil des Accelerator-Programmes Hafven. Dort erarbeiten und schärfen wir unser Geschäftsmodell, um so die laufende Ausgründung voranzubringen. Unser Ziel ist es, im Laufe des kommenden Jahres mit dem Bau der Pilotanlage in Costa Rica beginnen zu können.” 

Thomas Scheper, Professor am Institut für Technische Chemie, lobt die Studierenden: „Ich bin beeindruckt, mit welchem Engagement und Ideenreichtum dieses Enactus-Team ein wissenschaftlich kompetentes Projekt im Bereich der Bioökonomie zur Produktion von Papieren aus pflanzlichen Reststoffen erarbeitet hat. Hochachtung!“

Förderung für die Gründungsphase von wissensorientierten Unternehmensideen in Niedersachsen

Ihr Engagement wird seit dem 18.06.2020 auch vom Niedersächsischen Wirtschaftsministerium gefördert: Sie erhielten für ihr Unternehmen das Gründungsstipendium der Investitions- und Förderbank Niedersachsen (NBank) in Höhe von insgesamt 33.000 Euro.

Das Geld wollen sie für den Start ihres jungen Unternehmens eco:fibr und für den Bau der Pilotanlage in Costa Rica nutzen. Für die Zukunft des Unternehmens erklärt Frau Ulmer: „Wir werden die Zellstoffproduktion aus dem Reststoff des Ananasanbaus, den Ananaspflanzen, durchführen. Dieser wird dann an Papier- und Kartonagehersteller vertrieben. Unser Ziel ist es, eine Marke zu etablieren, die dem Kunden die Geschichte der Produkte transparent erzählt und ein Siegel für ein nachhaltiges Produkt darstellt.”

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Presseinformation der Leibniz Universität: Umweltfreundliches Papier aus Ananasfasern