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Professur für Festkörperana­lytik: Denis Gebauer hat Ruf angenommen

Professur für Festkörperana­lytik: Denis Gebauer hat Ruf angenommen

Seit dem 1. April 2019 ist Denis Gebauer Professor für Festkörperanalytik am Institut für Anorganische Chemie. Der gebürtige Hannoveraner studierte von 1998 bis 2005 an der Leibniz Universität Hannover Biochemie. Sein Promotionsprojekt im Bereich der Physikalischen Chemie führte ihn nach Potsdam, an das Max-Planck-Institut für Kolloid und Grenzflächenforschung und die dortige Universität (UP). Nach Tätigkeiten als Postdoc an der Universität Stockholm und als Gruppenleiter des Fachbereichs Chemie an der Universität Konstanz nahm Herr Gebauer nun den Ruf nach Hannover an.

Seine Forschung bewegt sich im Feld der Nukleationsmechanismen: Sein Ziel ist, zu beantworten, wie sich Partikel aus ihren gelösten chemischen Bestandteilen bilden. Viele Arbeiten zeigen auf, dass der klassische Ansatz zur Erklärung der Keimbildung (Nukleation) und Kristallisation zu stark vereinfacht ist. Prof. Gebauer wird mit seiner Forschung weiter dazu beitragen, ein neues Verständnis für diese Prozesse zu erlangen. Die Entwicklung und Kombination von Methoden zur Erforschung und Beantwortung dieser Fragen bilden seine analytische Hauptexpertise.

Dieses Forschungsfeld hat eine sehr große anwendungsrelevante Breite in der Chemie und den Materialwissenschaften, aber auch darüber hinaus: Mithilfe eines verbesserten Verständnisses der Festkörperentstehung könnte man beispielsweise bessere Zusätze entwickeln, die etwa die Kalkbildung in Waschmaschinen oder Geschirrspülern effektiv verhindern würden. Auch in der Industrie gibt es in diesem Zusammenhang immer noch große, kostenintensive Probleme, wenn etwa Kühl- oder Heizkreisläufe wegen Verkalkung unvermittelt ausfallen. Die Partikelbildung hat aber auch positive Aspekte. Wenn eine hohe Kontrolle über Abscheidungs- und Kristallisationsprozesse im Labor möglich wäre, wie sie Lebewesen eindrucksvoll demonstrieren, könnten wir eines Tages künstliche Zähne wachsen lassen. In einem ersten Schritt sollen neue, effektive Formulierungen etwa zur Remineralisation von Zähnen entwickelt oder aber Implantate oder Prothesen ihren natürlichen Vorbildern ähnlicher gemacht werden – mit unmittelbaren Konsequenzen für die Biomedizintechnik und -forschung. Andererseits betrifft die Forschung von Prof. Gebauer beispielsweise die Einkristallzucht oder die Frage, wie anwendungsrelevante, partikelbasierte Systeme hergestellt werden können. Es gilt die Mechanismen besser zu verstehen, die der Festkörperbildung zugrundeliegen. Das wiederum erlaubt dann die Entwicklung neuer Fertigungsverfahren, die in den großen Forschungsinitiativen der Leibniz Universität Hannover eine Rolle spielen.

    Die Naturwissenschaftliche Fakultät gratuliert zur Professur und wünscht Herrn Gebauer viel Erfolg für seine Aufgaben!