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Iskandar Azmy Harahap: „Ich möchte traditionelle Lebensmittel in innovative Gesundheitslösungen verwandeln“

Iskandar Azmy Harahap: „Ich möchte traditionelle Lebensmittel in innovative Gesundheitslösungen verwandeln“

Probenaufbereitung: Iskandar Azmy Harahap beim Pipettieren.

Portraits von Nachwuchsforschenden der Naturwissenschaftlichen Fakultät
„Und, woran forschen Sie so?“

Im Oktober 2025 wurden internationale Studierende für soziales Engagement und herausragende Leistungen ausgezeichnet. Iskandar Azmy Harahap,  Promovend am Institute of Food and One Health, erhielt den Preis der Leibniz Universitätsgesellschaft. Er verbindet gesellschaftliches Engagement mit wissenschaftlicher Neugier: Seine Forschung zeigt, wie natürliche Fermentation Sojabohnen in funktionelle Lebensmittel mit bioaktiven Wirkstoffen verwandeln kann. Die Übersichtsarbeit „Fermented soy products: A review of bioactives for health from fermentation to functionality“ hebt die gesundheitlichen Vorteile der bioaktiven Verbindungen fermentierter Sojaprodukte wie Tempeh, Natto und Miso hervor und untersucht innovative Extraktionsmethoden, die deren Anwendung als funktionale Lebensmittel verbessern. Zukünftige Forschung sollte sich auf die Verfeinerung der Fermentations- und Extraktionsprozesse konzentrieren, um die Chancen eines wichtigen Beitrags zu globaler Ernährungssicherheit und nachhaltigen Lebensmittelsystemen zu ermitteln. Damit schlägt Harahap eine Brücke zwischen kultureller Tradition und moderner Ernährungswissenschaft. Wir möchten mehr darüber erfahren.

Drei Fragen an Lebensmittelwissenschaftler Iskandar Azmy Harahap vom Institute of Food and One Health

Webredaktion Naturwiss. Fakultät: Was würden Sie im Rahmen Ihrer Forschungsarbeit gern entdecken oder herausfinden?
Iskandar Azmy Harahap: Mein Ziel ist es, zu erforschen, wie traditionelle Fermentationsverfahren zur Entwicklung moderner Ernährungsstrategien beitragen können. Die aktuelle Forschung unterstreicht, dass fermentierte Sojaprodukte – insbesondere Tempeh – reich an bioaktiven Verbindungen wie Peptiden und Isoflavonen sind, denen potenziell therapeutische Effekte zugeschrieben werden. In unserer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Professorin Tuba Esatbeyoglu untersuchen wir, wie Fermentation dieses bioaktive Profil beeinflusst und funktionale gesundheitliche Vorteile entstehen. Durch die Verbindung kultureller Ernährungspraktiken mit moderner Molekulardiätetik möchte ich wissenschaftlich fundierte Konzepte für gesunde und nachhaltige Ernährung entwickeln, die zugleich kulturelle Vielfalt berücksichtigen. Würde ich heute für mein Lebenswerk ausgezeichnet, hätte ich eine Brücke zwischen Tradition und Innovation gebaut – indem ich lokale Lebensmittel wie Tempeh in globale Modelle für gesunde und nachhaltige Ernährung überführe.

Wie sieht ihr Forschergeist aus: Was treibt Sie an?
Mich motiviert die Frage, wie alltägliche Lebensmittel auf molekularer Ebene unser Wohlbefinden beeinflussen können. Mein Weg von Indonesien nach Deutschland zeigte mir, wie Ernährung, Kultur und Wissenschaft miteinander verwoben sind – jede Mahlzeit spiegelt das Zusammenspiel von verfügbaren Lebensmitteln, Ernährungswissen und gesellschaftlichen Bedingungen. Diese kulturellen Erfahrungen in wissenschaftliche Erkenntnisse zu übersetzen, die die Gesundheit verbessern, motiviert mich täglich.
Ich untersuche, wie traditionelle indonesische Lebensmittel wie
Tempeh mit dem menschlichen Mikrobiom interagieren, um die Gesundheit zu fördern. Fermentation – eine der ältesten biotechnologischen Methoden – ist hierfür ein ideales Modell, da sie zeigt, wie traditionelle Verfahren in moderne Ernährungskonzepte integriert werden können. Dieses Zusammenspiel von Kultur, Mikrobiologie und Ernährungsforschung ist für mich besonders inspirierend. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Wer unterstützt Sie auf Ihrem Weg?
Meine Forschung steht für einen ganzheitlichen Ansatz, der Geschichte, Kultur und moderne Lebensmitteltechnologie verbindet. 
Im 17. Jahrhundert dokumentierte der deutsche Naturforscher Georg Eberhard Rumphius auf den Molukken die tropische Pflanzenvielfalt – lange bevor die Region „Indonesien“ genannt wurde. Spätere Forschende wie Karl Ludwig von Köppen, Ferdinand von Richthofen und Adolf Bastian erweiterten dieses Wissen und prägten das Verständnis des Archipels. Ihre Arbeit bildet bis heute eine Grundlage für die Forschung zu tropischen Pflanzen, Fermentation und bioaktiven Wirkstoffen. Zukünftige Entwicklungen sollten darauf abzielen, nachhaltige Produktionsmethoden auszubauen und die globale Ernährungssicherung mit gesunden, funktionellen Lebensmitteln wie fermentiertem Soja zu stärken. 

Ich wünsche mir, dass wissenschaftliche Zusammenarbeit noch stärker kulturelle Perspektiven einbezieht und globale Ernährungsthemen gemeinsam adressiert. Ich habe das große Privileg, auf meinem Forschungsweg durch engagierte Mentorinnen, Mentoren sowie institutionelle Föerderung unterstützt zu werden. Besonders danke ich dem DAAD, der mir die Fortsetzung meiner Promotion an der Leibniz Universität Hannover und internationale Kooperationen ermöglicht hat. Ebenso schätze ich die enge Zusammenarbeit mit Professorin Tuba Esatbeyoglu und meinem Team am Institute of Food and One Health, deren fachliche und methodische Unterstützung meine wissenschaftliche Arbeit entscheidend prägt.


Iskandar Azmy Harahap promoviert in „Food Science“ bei Prof. Dr. Tuba Esatbeyoglu. Zuvor absolvierte er sein Masterstudium an der Gadjah Mada University in Indonesien. Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Laufbahn veröffentlichte Harahap bereits zahlreiche Fachartikel und wirkte an mehreren Patentanmeldungen in Polen und Indonesien mit. Weiterhin engagiert er sich intensiv für die Entwicklung seines Heimatlandes, indem er Projekte unterstützt, die darauf abzielen, bislang ungenutzte Pflanzen aus ländlichen Regionen in funktionelle Lebensmittel umzuwandeln.

Die Portrait-Reihe „Und, woran forschen Sie so?“ stellt die Nachwuchsforschenden unserer Fakultät vor. Anhand ausgewählter Fragen entstehen persönliche Einblicke in die Vielfalt aktueller Forschungsarbeit. So lässt sich Forschung entdecken – und der Mensch, der mit viel Leidenschaft dahintersteht.