FakultätNews und Veranstaltungen
COVID-19-Forschungsprojekte an der Naturwissenschaftlichen Fakultät

COVID-19-Forschungsprojekte an der Naturwissenschaftlichen Fakultät

Corona-Virus unter der Lupe: Infektionswege, Wirkstoffe zur Behandlung und Auswirkungen

Verschiedene Institute und Arbeitsgruppen der Naturwissenschaftlichen Fakultät sind an Forschungsprojekten zu COVID-19 beteiligt. In interdisziplinären und universitätsübergreifenden Projekten werden neben möglichen Medikamenten und neuen Testverfahren auch die gesellschaftlichen Folgen der Pandemie untersucht.

Das Institut für Technische Chemie (TCI) und das Institut für Innovations-Forschung, Technologie-Management & Entrepreneurship (ITE) arbeiten zusammen an zwei Projekten:
Zum einen etablieren sie mit dem niedersächsischen Modellprojekt „Mobile Corona-Analytik” (MCA) mobile Teststationen, um Personen mit einem hohen beruflichen Risiko für eine Corona-Infektion regelmäßig und zeiteffizient testen zu können. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt, an dem neben weiteren Instituten der Leibniz Universität auch das Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik, Implantat-Forschung und -Entwicklung (NIFE) sowie die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) zusammenarbeiten, wird vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert.
Zum anderen arbeiten die Institute am Projekt Transmissions-Analytik COVID-19 (TRAC-19). Die Studie soll binnen 6–8 Stunden Echtzeit-Daten zur Infektionskette und -verbreitung von COVID-19 Infektionen an verschiedenen Schulen in Hannover liefern. So sollen die Infektionswege zwischen Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrkräften aufgeklärt werden. Auch hier besteht eine Kooperation zwischen LUH, NIFE, HMTMH und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Mit den Folgen der Corona-Krise für Lehrkräfte beschäftigt sich auch das Institut für Didaktik der Naturwissenschaften (IDN). Das Forschungsprojekt „Zuhause unterrichten und lernen” untersucht, mit welchen Herausforderungen sich Lehrkräfte konfrontiert sehen, aber auch welche positiven Erfahrungen sie im „Homeschooling” sammeln können. Das Institut leitet daraus mögliche Unterstützungsmaßnahmen ab.

Das Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung ermittelt, wie sich die Einschränkungen und Umstellungen der Lebensgewohnheiten auf unsere Gesundheit auswirken. Die Studie sammelt dazu Informationen zu Bewegung, Ernährung und Wohlbefinden der Probanden, um Vor- und Nachteile der Verhaltensänderungen abschätzen zu können.

Auch am Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie wird verändertes Mobilitätsverhalten während der Krise untersucht. Im Juni 2020 führte das Institut eine Umfrage in der Region Hannover durch, um Informationen über die Substitution des ÖPNV durch Rad- oder Autonutzung im Kontext von nachhaltigem Mobilitätsverhalten zu sammeln. Dabei waren für die Forschenden auch die Mobilitätsreduktion insgesamt und die Betroffenheit unterschiedlicher sozialer Gruppen interessant. Im Herbst 2020 soll es eine zweite Befragung geben, um festzustellen, ob es sich um dauerhafte oder kurzfristige Veränderungen handelt.

Das Institut für Lebensmittelchemie (LCI) unterstützt Arbeitsgruppen der MHH und erforscht spezifisch spaltende Peptidasen. Diese wirken inhibitorisch und sollen verhindern, dass Peptidasen wie Cathepsine und TMPRSS das „spike“-Protein zum Durchtritt von CoV in die Lungenzelle aktivieren. Die Untersuchungen werden vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert.

Mit der Bekämpfung von SARS-CoV-2 beschäftigt sich auch das Institut für Organische Chemie (OCI). Dabei erforscht es unter anderem Silvestrol, einen Naturstoff aus Mahagonigewächsen im indonesischen Urwald: Silvestrol hemmt ein körpereigenes Enzym des Wirts, auf das die Corona-Viren angewiesen sind, um ihre eigenen Proteine herstellen zu können. Das Virus kann sich wegen dieser inhibierenden Wirkung von Silvestrol schließlich nicht mehr vermehren. Ein mögliches Medikament könnte eine Alternative zum antiviralen Impfstoff darstellen. Das medizinal-chemische Forschungsprogramm zu Silvestrol beinhaltet die Synthese einer sogenannten Bibliothek von Silvestrol-Abkömmlingen und zielt auf verbesserte antivirale Eigenschaften bei reduzierten Nebenwirkungen.
In Zusammenarbeit mit Medizinern und Virologen an den Universitäten Tübingen und Heidelberg untersucht das OCI eine weitere Möglichkeit für ein Medikament gegen das Virus: Bodenbakterien liefern Argyrine – peptidische Naturstoffe, die aktuell besonders aufgrund ihrer anti-viralen Eigenschaften interessant sind.

Uniweite Forschung und Informationen zum Corona-Virus

Eine Übersicht aller Forschungsprojekte der Leibniz Universität, die sich mit der COVID-19-Pandemie beschäftigen, ist auf den zentralen Seiten der Hochschule zu finden: Forschung zum Corona-Virus

Aktuelle Informationen, Regelungen und Verhaltensempfehlungen für Studierende und Beschäftigte der Leibniz Universität werden regelmäßig vom Krisenstab der Universität überarbeitet und veröffentlicht: Informationen zum Corona-Virus