In der BaKlimON-Initiative kommt die exzellente molekularbiologische Expertise von drei Hochschulen in Hannover zusammen
Der Klimawandel verändert nicht nur unsere Umwelt, sondern auch die unsichtbare Welt der Mikroorganismen. Mit der Initiative BaKlimON – Bakterielle Klimaresilienz in One Health – fördert das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) zusammen mit der Volkswagenstiftung ein einzigartiges Forschungsnetzwerk aus Mikrobiologinnen und Mikrobiologen der Leibniz Universität Hannover (LUH), der Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). Der Verbund wird von Prof. Dr. Natalia Tschowri , Institut für Mikrobiologie/IFMB an der LUH, koordiniert und soll aufklären, wie sich der Klimawandel auf Bakterien auswirkt und welche Folgen das für die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen hat.
Bakterien als unsichtbare Klimaingenieure und Klimabetroffene
Ob im Boden, im Wasser, in Tieren, Pflanzen oder im Menschen – Bakterien sind überall und bilden durch ihre Aktivitäten ein wichtiges Lebenserhaltungssystem unserer Erde. Sie sind unverzichtbar für Nährstoffkreisläufe und unsere Gesundheit, aber auch verantwortlich für Infektionskrankheiten und Antibiotikaresistenzen. Wenn sich Temperatur, Feuchtigkeit oder Bodenbeschaffenheit durch den Klimawandel verändern, beeinflusst das auch die Lebensbedingungen der Bakterien. Im Verbund BaKlimON soll geklärt werden, wie Bakterien auf diese Veränderungen reagieren und ob dadurch neue Risiken, aber vielleicht auch neue Chancen entstehen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet den Klimawandel als die größte Gesundheitsbedrohung für die Menschheit. Dabei wird zunehmend deutlich, dass nicht nur Menschen, Tiere und Pflanzen betroffen sind, sondern auch Mikroorganismen, die sie umgeben. Dennoch ist über diese „mikrobielle Dimension des Klimawandels“ bislang erstaunlich wenig bekannt. Genau hier setzt BaKlimON an.
Ein One-Health-Ansatz für eine vernetzte Welt
BaKlimON arbeitet nach dem internationalen „One Health“-Prinzip, das Mensch-, Tier- und Umweltgesundheit als untrennbar miteinander verbunden begreift. Durch die enge Zusammenarbeit der drei Hochschulen werden diese Bereiche erstmals systematisch gemeinsam untersucht. Die beteiligten Forschenden betrachten, wie sich Bakterien in unterschiedlichen Lebensräumen anpassen – im Boden, in Gewässern, in Tieren und im menschlichen Körper. Im Fokus stehen die Klimastressoren Temperatur und Wasser (Dürre und Überflutung), die besonders starke Auswirkungen auf mikrobielle Lebensgemeinschaften und bakterielle Adaptationsmechanismen haben. So erforschen etwa Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der LUH, wie Boden- und Pflanzenbakterien auf Trockenheit oder Überschwemmung reagieren. An der TiHo stehen tierische Krankheitserreger im Mittelpunkt, deren Pathogenität durch Klimafaktoren beeinflusst werden könnte. An der MHH wird untersucht, wie sich Temperaturveränderungen auf bakterielle Infektionsmechanismen und Antibiotikaresistenzen auswirken.
Ein starkes Netzwerk am Wissenschaftsstandort Hannover
BaKlimON bringt dreizehn Projektleitende aus Mikrobiologie, Biochemie und Pflanzenwissenschaften zusammen. Das Netzwerk bündelt die exzellente molekularbiologische Expertise der drei großen Hochschulen Hannovers und schafft eine Plattform für interdisziplinäre Zusammenarbeit, die perspektivisch auch in das Zentrum Klimaforschung Niedersachsen eingegliedert werden soll. Durch die Verknüpfung von Human-, Tier- und Umweltmikrobiologie können Fragen beantwortet werden, die bisher niemand in dieser Breite und Tiefe untersucht hat. Überdies stärkt dieses Vorhaben den Forschungsstandort Niedersachsen nachhaltig. Neben der Forschung legt die Initiative großen Wert auf Nachwuchsförderung und Gleichstellung. Junge Forschende sollen in einem strukturierten Programm ausgebildet werden, das sie auf internationale Forschungskarrieren vorbereitet. Regelmäßige Workshops, Symposien und ein aktiver Austausch mit Graduiertenschulen sollen die Zusammenarbeit über Fach- und Institutionsgrenzen hinweg stärken.
Sprecherteam BaKlimON:
- Prof. Dr. Natalia Tschowri, Institut für Mikrobiologie/IFMB, Leibniz Universität, Koordinatorin des Verbunds
- Prof. Dr. med. Dirk Schlüter, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Medizinische Hochschule Hannover
- Prof. Dr. Ralph Goethe, Institut für Mikrobiologie, Zentrum für Infektionsmedizin, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
- Presseinformation MWK: Digitale Medizin und bakterielle Klimaresilienz: zukunft.niedersachsen stärkt Gesundheitsforschung
- Pressemitteilung zur ZKFN-Tagung: Gemeinsam für die Klimaforschung – Perspektiven inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit