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Internationale Promotion erforscht Aufbau und Entstehung der ozeanischen Kruste

Der Diplom-Geowissenschaftler Martin Erdmann schloss sein binational betreutes Promotionsverfahren, Cotutelle de thèse, an der Universität Nancy und der Leibniz Universität Hannover mit der exzellenten Bewertung seiner Arbeit zu Grundlagenwissen und der Simulation magmatischer Prozesse ab.

Geowissenschaftler Martin ErdmannOptimale Arbeitsmöglichkeiten konnten dem Promotionsstudenten gewährleistet werden, indem eine internationale Promotion im Cotutelle-Verfahren gewählt wurde, mit Vertrag zwischen der Leibniz Universität und der Universität Nancy. So konnte Martin Erdmann mehrere Monate in Nancy mit der Sekundärionen-Massenspektrometrie (SIMS) des Centre de Recherches Pétrographiques et Géochimiques (CRPG) arbeiten, unter optimaler Betreuung durch französische Kollegen, die dann auch zum Ko-Supervisor seiner Arbeit wurden.

Die Note summa cum laude basiert auf drei Gutachten aus Deutschland und zwei aus Frankreich; die hohe Anzahl an Begutachtungen ergibt sich aus dem Cotutelle-Verfahren, das den Promotionsordnungen beider Universitäten genügen muss. So dürfen in Frankreich die Betreuer der Arbeiten nicht an der Benotung der Arbeit teilhaben, weshalb Rapporteure außerhalb der beiden Universitäten gefunden werden mussten (in diesem Fall Professoren aus Münster und Bremen). Durch das Cotutelle-Verfahren durchlief der Promovend zwei Promotionsvorhaben und erhält somit auch zwei Urkunden. Das Verfahren wurde laut Cotutelle-Vertrag jedoch mit nur einer Disputation abgeschlossen, die im März an der LUH gehalten wurde.

Professor Dr. Koepke, Mitglied des Prüferkollegiums, hebt hervor: „Die exzellente Bewertung seiner Arbeit resultiert auch aus der sehr weiten, disziplin-übergreifenden Arbeitsweise. Er hat seine Ergebnisse in vier Publikationen als Erstautor und zwei Publikationen als Ko-Autor ausgedrückt, allesamt in geowissenschaftlichen Zeitschriften mit sehr gutem Impakt-Faktor. Als besonders wird die hohe Motivation von Martin Erdmann gewertet: Er hat alle seine Publikationen in den Jahren 2015 bis 2017 vorangetrieben, also in einer Phase, in der er eine Familie gegründet und bereits in Vollzeit in einer Bundesanstalt gearbeitet hat. Das ist sehr außergewöhnlich, und mir – sowie allen anderen Gutachtern – so noch nicht begegnet.“

Im Rahmen der Promotion wurden Geländearbeiten im Oman durchgeführt: Im sogenannten Ophiolith, einem 350 Kilometer langen Stück ozeanischer Lithosphäre, das durch tektonische Prozesse in der Kreidezeit auf den arabischen Kontinent aufgeschoben wurde.
Der Promovend fokussierte sich letztlich auf die experimentelle Simulation von bestimmten magmatischen Prozessen, die bei der Entstehung der ozeanischen Kruste eine Rolle spielen. Thema seiner Arbeit: Felsic melts in the oceanic crust: an experimental study on their generation, phase equilibria, and trace element partitioning

Das Ziel des Promotionsvorhabens bestand in der Simulation von Entstehungsmodellen, die über Voruntersuchungen der natürlichen Gesteine im Oman formuliert wurden. Dabei nutzte der Promovend innovative Methoden: Die experimentellen Schmelzbereiche in Mikrometer-Größe wurden auf Spurenelemente mit der SIMS (Secondary Ion Mass Spectrometer) analysiert. Diese ermöglicht es, Material auf Spurenelemente im ppb-Bereich zu untersuchen. Der Vergleich der Spurenelement-Kovariationen in den Experimenten mit denen der natürlichen Gesteine bietet eine detaillierte Rekonstruktion jener Prozesse, die bei der Entstehung ozeanischer Kruste an mittel-ozeanischen Rücken eine Rolle spielen.

SIMS (Secondary Ion Mass Spectrometer)
 

Für die SIMS-Analysen wurde eine Kooperation mit dem Centre de Recherches Pétrographiques et Géochimiques der Université de Lorraine angestrebt: einer der wenigen Labore weltweit, die sich auf SIMS-Technik für solche Anwendungen spezialisiert haben.

Martin Erdmann arbeitet heute in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt r4-INTRA – Integration und Transfer der Forschungsergebnisse aus dem BMBF-Programm r4. Das Integrations- und Transferprojekt r4-INTRA untersucht die Potenziale der geförderten Forschungsvorhaben, insbesondere im Hinblick auf ihre Beiträge zur Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit. Das Projekt vernetzt die daran beteiligten Verbünde und unterstützt bei der Kommunikation und dem Transfer der Ergebnisse an ein breites Spektrum von Zielgruppen (Industrie, Politik, Gesellschaft).